#endof10

Gibt es ein Leben ohne GAMMA? Gelingt Schule ohne BigTech?

#digitalsovereignty – Teil 2

Kleine Schritte führen auch zum Ziel

Im ersten Teil haben wir uns mit dem Betriebssystem beschäftigt. Zumindest oberflächlich [sic] einen Blick darauf geworfen und eine erste Vorstellung vermittelt, dass es Alternativen gibt und wie diese aussehen können.

Vielleicht ist dieser Schritt für den Anfang zu groß, zu viel, zu abschreckend.

Deshalb schauen wir in diesem Beitrag zuerst einmal auf die Anwendungen. Was gibt es da für Herausforderungen – also was wird bisher genutzt – und wie können wir die derzeit verwendeten Anwendungen ersetzen. Wenn das funktioniert, kann man den nächsten Schritt – ein neues Betriebssystem – leichter durchführen.

Fangen wir mit der wichtigsten Anwendung an: dem Browser

Einen Browser verwenden wir immer dann, wenn wir “ins Internet” gehen. Korrekt müsste es heißen “wenn wir ins WWW gehen”. Das World Wide Web ist ein Dienst im Internet, so wie z.B. auch E‑Mail ein Dienst ist.

Auf den meisten Rechnern wird zum Surfen im WWW entweder der Chrome-Browser (Google) oder der Safari-Browser (Apple) verwendet.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Beide sammeln nicht unerhebliche Mengen an Daten über ihre Nutzer.

Welche Alternativen gibt es? Am “bekanntesten” ist der Browser Firefox der Mozilla Foundation. Alternativen sind Vivaldi oder eine Version des Chrome-Browsers ohne Google-Erweiterungen mit dem Namen „Ungoogled Chromium“. Dazu kommen dann noch unzählige Anpassungen und Abwandlungen die entweder auf dem Code von Firefox oder dem Chrome-Browser basieren.

Wenn wir schon beim Internet und seinen Diensten sind: Was ist mit E-Mail?

Die Verteilung des Marktes, was E-Mail-Anbieter angeht, ist unübersichtlich. Am häufigsten dürften jedoch auch in diesem Fall entweder Google oder Microsoft als Anbieter genutzt werden. D. h., sämtliche E-Mails laufen durch deren Software in Form von Google Mail oder Microsoft 365. Beide bieten integrierte Umgebungen, die gleich auch noch das Thema Dokumentenbearbeitung, Kalender und Adressverwaltung mit anbieten.

Deshalb jetzt Schritt für Schritt: 1. E-Mail-Anbieter: In Europa gibt es einige Alternativen, die sich oft nur in den Details unterscheiden. Besonders sicher sind Proton und Tuta, die beide eine starke Verschlüsselung des Transportes und der Aufbewahrung anbieten. Heißt aber, die Nutzung ist nur mit deren Web-Client bzw. proprietären Anwendungen möglich. Dazu kommen dann weitere Anbieter, in Deutschland z.B. Posteo und Mailbox.org mit etwas weniger restriktiver Verschlüsselung und damit der Möglichkeit, auch andere Clients zu nutzen. 2. Mail-Clients: In der Regel sind die Web-Clients der oben genannten Anbieter so gestaltet, dass sie sowohl auf dem Desktop als auch auf Mobilgeräten gut nutzbar sind. Für Benutzer_innen mit zusätzlichen Anforderungen empfiehlt sich dann die Installation der Open-Source-Lösung Thunderbird oder des kostenpflichtigen (zumindest auf dem Desktop) Produkts eM Client. Beide bieten nicht nur Mail, sondern auch eine Adressverwaltung und vor allem einen Kalender. 3. Weitere Funktionen Adressbuch und Kalender: Fast alle Anbieter von E-Mail haben auch diese beiden Module im Angebot. In der Regel kann über die üblichen Standardprotokolle CalDAV und CardDAV darauf zugegriffen werden. Entsprechende Anleitungen zur Nutzung sowohl mit Desktopanwendungen wie Thunderbird als auch mit geeigneten Apps auf Mobilgeräten finden sich im WWW zuhauf.

Damit hätten wir die beiden wichtigsten Blöcke abgehakt. Jetzt kommt die Kür. Gibt es Alternativen zu Microsofts Office?

Die einfache Antwort: Selbstverständlich. Und zwar so viele, wie schon lange nicht mehr.

Deshalb verzichten wir auf eine Übersicht, sondern machen nur eine Liste mit mehr oder weniger bekannten Open-Source-Office-Paketen: LibreOffice: Desktop-Anwendungspaket mit Text, Tabelle, Präsentation und Grafik Collabora Office: Sowohl für den Desktop als auch als Online-Variante und für Mobilplattformen verfügbar. OnlyOffice: Desktop- und Online-Varianten für die gängigen Betriebssysteme verfügbar

Einige der oben genannten Mailanbieter wie z.B. Proton oder Mailbox.org bieten eigene Varianten von Online-Office-Paketen, basierend auf den aufgezählten Lösungen, in ihrer Oberfläche integriert an.

Vielleicht doch erst mal noch eine Nummer kleiner? WhatsApp?

WhatsApp hat bei den Messengern einen Marktanteil von 80–85 %. Das heißt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Großteil unseres Umfeldes diesen Messenger benutzt. Vom Hersteller gewünschter Effekt: Ich komme da nicht so einfach wieder raus → Lock-in accomplished

Jetzt ist es aber gerade WhatsApp, das sich dadurch auszeichnet, dass es dutzende persönliche Daten an den zentralen Server liefert. Und diese damit bei einem der größten Datenverwerter überhaupt – Meta – landen. Ja, die Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, aber ganz aktuell (April 2026) kann man sehen, wie lange das problemlos funktioniert: Genau nur so lange, wie Meta nicht beschließt, das zu ändern. So wie im Falle Instagram gerade geschehen. Quasi von einem Tag auf den anderen sind Nachrichten zwischen den Nutzern nicht mehr verschlüsselt. Schade eigentlich. Alleine deswegen macht es Sinn, nach Alternativen zu schauen. Tatsächlich spricht nichts gegen einen weiteren Messenger auf dem Mobilgerät. Der Aufwand ist erstaunlich klein, die Wirkung enorm. Ja, Freund und Familie werden sich erst einmal sperren. Da muss man unter Umständen ein bisschen hartnäckiger darauf bestehen. Aber welchen Messenger kann man jetzt empfehlen? Unter dem Aspekt der “Einfachheit” (auch im Sinne von geringer Umgewöhnung) kommen derzeit nur 2 Systeme infrage: Signal oder Threema. Es gibt Argumente für beide, die Entscheidung ist also Geschmackssache. Andere Möglichkeiten sind Delta Chat (basiert auf dem gleichen Protokoll wie E-Mail) oder, wer es etwas nerdiger möchte, sogenannte Matrix-Clients wie Element. Aber, da sind die Familie und die Freunde dann spätestens raus ;–)

Ok, einen haben wir noch: Social Media

Das ist definitiv der schwierigste Schritt, lebt Social Media und die Teilhabe daran doch ausdrücklich von der “Menge” der Menschen, die ich erreiche. Zumindest wurde uns das in den letzten 10 Jahren pausenlos so in den Kopf gehämmert. “Size matters” war der Wahlspruch: Nur wer viele Follower mit hohen Aktionsraten hat, ist erfolgreich. Doch es geht auch anders. Ohne Big Tech, ohne tausende von Followern, ohne Algorithmen und den von ihnen befeuerten Hass und Häme. Tatsächlich sogar mit unterschiedlichsten Inhalten, die untereinander austauschbar werden. Quasi verschiedene Ansichten auf eine Sammlung aus Kurznachrichten (X/Twitter), Videoplattform (TikTok) oder Bilderdienst (Instagram). Inklusive Gruppen, Seiten und viele andere Funktionen (z.B. bei Facebook), die die Monopolisten in eigenständige Produkte verpacken. Dieses Wunderland heißt Fediverse und man muss sich nur am Anfang entscheiden, welchen inhaltlichen Schwerpunkt man setzen möchte. Danach wird ein Server ausgewählt und dann muss man sich nur noch ein paar Gleichgesinnte suchen und ihnen folgen. Schon ist man Herrscher_in über den eigenen Datenstrom. Die wichtigsten Dienste im Fediverse heißen Mastodon, Peertube und Pixelfed. Dazu kommen Friendica, Loops und noch andere spezialisierte Angebote. Wie man dort hinkommt und mitmacht, haben wir in einem gesonderten Beitrag für die Plattform Mastodon beschrieben. Weitere Angebote wie Pixelfed, Peertube oder Friendica sind beim sogenannten Onboarding ähnlich aufgebaut.

Zur Anmeldung bitte hier entlang

#endof10 #dutgemacht #didit #Fediverse #neuHier

#digitalsovereignty – Teil 1

Ob es auch ohne Windows geht, fragst du?

tl;dr

Ja,

... und jetzt die etwas ausführlichere Antwort

Um auf einem Computer arbeiten zu können, wird ein sogenanntes Betriebssystem benötigt. Eines der am weitesten verbreiteten Systeme ist Windows der Firma Microsoft. Seit 2025 wird die Version 10 nur noch eingeschränkt unterstützt, die geplante Abschaltung von Aktualisierungen wurde auf Druck von Unternehmen von Microsoft um ein Jahr auf 2026 verschoben. Danach wird es keine Sicherheitsaktualisierung von Windows 10 mehr geben. Die Folgeversion 11 hat sehr strenge Vorgaben zur Hardware, auf der sie genutzt werden kann. Dadurch werden sehr viele vorhandene Systeme nicht mehr für diese Version verwendbar sein. Aus verschiedenen Gründen ist eine Neuanschaffung jedoch keine Option. Diese können rein wirtschaftlich sein, aber auch ökologische Aspekte sprechen dagegen.

Wie kann das verhindert werden?

Vielen sind die Produkte von Apple als Alternative zu gewöhnlichen PCs mit Windows bekannt. Auf den Produkten von Apple läuft seit Jahrzehnten ein Betriebssystem, das auf dem System “UNIX” basiert. Auf der gleichen Idee baut Linux auf. Linux ist ein frei verfügbares Betriebssystem, das in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Distributionen genannt, angeboten wird.

Manche dieser Distributionen sehen aus wie Windows und lassen sich ohne große Umstellungsprobleme sofort nutzen. Andere gleichen von der Aufmachung her eher der Oberfläche eines Apple-Rechners. Und wieder andere wählen ganz eigene Varianten der Oberfläche. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die zur Verfügung stehenden Anwendungen in der Regel ohne größere Schwierigkeiten die gewohnten Programme unter Windows ersetzen. Oft stehen mehrere Programme zur Bearbeitung gleicher Aufgabenm zur Verfügung. Dadurch ist es nicht immer leicht, die richtige und passende Lösung zu finden.

Und deshalb wollen wir hier im Medienzentrum Frankfurt Lehrer_innen und Menschen aus dem Bildungsbereich die Möglichkeit bieten, unter Anleitung die ersten Schritte zu wagen. Zusätzlich zum Digital Independence Day, der an jedem ersten Sonntag im Monat angeboten wird (https://di.day/), wollen wir an jedem 3. Freitag im Monat unseren #endof10-Tag anbieten.

Was heißt das?

Einmal im Monat, an einem Freitagnachmittag, ermöglichen wir, auf dem eigenen Rechner mithilfe entsprechend vorbereiteter USB Sticks verschiedene “Geschmacksrichtungen” von Linux auszuprobieren.
Linux ist ein seit 35 Jahren ständig weiterentwickeltes Betriebssystem, das auch auf älteren Rechnern installiert werden kann. Wir begleiten die ersten Gehversuche mit unserem Team und planen gemeinsam mit euch die weiteren Schritte. Wer es schafft, vor dem Termin seine Daten zu sichern, kann gerne vor Ort das gewünschte Linux auf seinem Rechner installieren. In der Regel geht das sogar parallel zu Windows, sodass nach der Installation beim Start des Rechners gewählt werden kann, welches Betriebssystem starten soll. Mittelfristig kann man so schrittweise den gewohnten Arbeitsablauf auf neue Anwendungen umstellen, um dann schlussendlich ohne Windows arbeiten zu können. Natürlich sprechen wir auch über die zur Verfügung stehenden Anwendungen und über Möglichkeiten, genutzte Onlineangebote durch demokratischere Angebote zu ersetzen.

Zur besseren Planung bitten wir euch um eine Anmeldung auf unserer Veranstaltungsplattform [Hier wird der Link eingefügt]

Wieso #digitalsovereignty?

Die Hashtags #unplugTrump und #endof10 markieren den Start in ein Umdenken bei der Abhängigkeit von großen US-Techkonzernen hin zu mehr digitaler Souveränität. Ursprünglich dazu gedacht, auf Veranstaltungen hinzuweisen, bei denen Menschen geholfen wird, ihre Hardware auch nach dem Supportende von Windows 10 zu nutzen, zeigt sich immer öfter ein weiterer, nicht ganz unerwünschter, Effekt: Weg von Windows heißt in diesem Fall hin zu Linux. Und damit auch z. B. weg von „liebgewonnenen“ Anwendungen wie Word, Excel oder Photoshop. Durch diesen Wechsel findet ein Umdenken statt: Viele Anwender fangen zum ersten Mal in ihrem Leben als Computernutzende an, darüber nachzudenken, was mit ihren Daten passiert und ob es zu den bisher verwendeten Programmen nicht vielleicht doch Alternativen gibt, die weniger datenhungrig sind. Seit Ende 2025 gibt es weitere Aktivitäten. Auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Club (CCC) wurde eine spannende Aktion gestartet: der Digital Independence Day. Man kann sicher über die Namensgebung und den Domainnamen di.day streiten, aber, an jedem ersten Sonntag im Monat gibt es überall in Deutschland Angebote, in kleinen oder großen Schritten die digitale Unabhängigkeit zu starten und fortzuführen. Diese finden sich unter verschiedenen Hashtags wie #diday #didit oder auch #dutgemacht

Wer ist GAMAM (oder GAMMA oder sogar MAGAM)?

Das Akronym wird aus den Anfangsbuchstaben der 5 großen, amerikanischen Tech-Unternehmen abgeleitet: Google, Amazon, Meta, Apple und Microsoft. Diese 5 Unternehmen beherrschen als Oligopol den Weltmarkt an cloudbasierten Anwendungen. Sei es Standardanwendungen, Suche, Plattform, Hardware oder Social Media: Sie sind in mindestens einem dieser Felder aktiv. Oft sogar in mehreren und in den letzten 5 Jahren verstärkt im Bereich „Künstliche Intelligenz“ (korrekterweise sollte man von LLM [Large Language Model] sprechen, aber der Begriff “KI” hat sich rasant eingebürgert). Aus der KI-Ecke kommt dann noch eine andere Allianz dazu: MANGO (Microsoft, Anthropic, NVIDIA, Google und OpenAI) sind die Technologie- oder Marktantreiber in diesem Bereich. Hier ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, auch wenn wir noch in einem frühen Stadium sind. GAMAM bearbeitet den “Markt” seit 20-30 Jahren, OpenAI und Anthropic sind deutlich jünger, können aber vom Geld ihrer Investoren – wer hätte es gedacht: Microsoft, Google, Amazon stecken ihr Geld in Anthropic und/oder OpenAI – profitieren.

Nicht erst seit der 2. Regierung Trump wird immer wieder davor gewarnt, dass viele Kernaufgaben in den europäischen Ländern nur unter Nutzung von Software aus den USA bewältigt werden. Der Hashtag #unplugTrump ist deshalb seit März 2025 immer wieder in den sozialen Medien zu finden. In Einzelfällen war in jüngster Vergangenheit schon zu sehen, was passiert, wenn US‑Unternehmen entsprechend Order ausführen: Stillstand, und zwar vollständiger. Um diese drohende Handlungsunfähigkeit zu vermeiden, ist es dringend geboten, europäische Alternativen zu suchen. Digitale Souveränität ist der Fachbegriff dafür und er soll deutlich machen, wie wichtig eine Unabhängigkeit von BigTech ist.

Erste Versuche gab es in der Vergangenheit einige. In der Regel wurden sie durch starke Lobbygruppen und persönliche Interessen torpediert und zum Scheitern gebracht. Seit ein paar Jahren gibt es aber im Open-Source-Bereich eine zunehmende “Professionalisierung”, sodass immer mehr freie Produkte entstanden sind, die durchaus dem Vergleich mit GAMAM standhalten.

Wie geht digitale Souveränität?

In einer kleinen Reihe von Beiträgen wollen wir uns anschauen, welche GAMAM-Produkte im Bildungsbereich zum Einsatz kommen und welche Alternativen es gibt.

Wir starten mit dem Betriebssystem: Auf einem Großteil der Rechner in Schulen und bei Lehrkräften läuft bzw. lief Microsoft Windows 10. Das Unternehmen macht seit Jahrzehnten geschickte Lobbyarbeit für sein Produkt und hat es mit seiner Beharrlichkeit geschafft, dass viele Mitarbeiter_innen in Ämtern und Behörden glauben, dass es ohne nicht geht.

Weiter geht es danach mit den Standardanwendungen. Dazu gehören neben einer Office-Suite auch Grafik- und Musikprogramme sowie weitere Anwendungen für den Einsatz in der Schule.

In einem dritten Beitrag betrachten wir Suchmaschinen und Cloud-Lösungen, denn auch in diesem Bereich gibt es durchaus nennenswerte Alternativen.

Zum Schluss wird es dann um Large Language Models gehen. Sie sind die “jüngsten” Anwendungen im Bildungsbereich, und auch hier, oder vor allem deswegen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Auch wenn die Investitionen in die US-Unternehmen durchaus beachtlich sind, scheint es eine nicht ganz uninteressante Entwicklung im Bereich europäischer Open-Source-Lösungen zu geben.

Starten wir also mit dem Betriebssystem

Teil 1: Ob es auch ohne Windows geht, fragst du?

Oder doch erst einmal etwas zurückhaltender

Teil 2: Kleine Schritte führen auch zum Ziel