Wieso #digitalsovereignty?
Die Hashtags #unplugTrump und #endof10 markieren den Start in ein Umdenken bei der Abhängigkeit von großen US-Techkonzernen hin zu mehr digitaler Souveränität. Ursprünglich dazu gedacht, auf Veranstaltungen hinzuweisen, bei denen Menschen geholfen wird, ihre Hardware auch nach dem Supportende von Windows 10 zu nutzen, zeigt sich immer öfter ein weiterer, nicht ganz unerwünschter, Effekt: Weg von Windows heißt in diesem Fall hin zu Linux. Und damit auch z. B. weg von „liebgewonnenen“ Anwendungen wie Word, Excel oder Photoshop. Durch diesen Wechsel findet ein Umdenken statt: Viele Anwender fangen zum ersten Mal in ihrem Leben als Computernutzende an, darüber nachzudenken, was mit ihren Daten passiert und ob es zu den bisher verwendeten Programmen nicht vielleicht doch Alternativen gibt, die weniger datenhungrig sind. Seit Ende 2025 gibt es weitere Aktivitäten. Auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Club (CCC) wurde eine spannende Aktion gestartet: der Digital Independence Day. Man kann sicher über die Namensgebung und den Domainnamen di.day streiten, aber, an jedem ersten Sonntag im Monat gibt es überall in Deutschland Angebote, in kleinen oder großen Schritten die digitale Unabhängigkeit zu starten und fortzuführen. Diese finden sich unter verschiedenen Hashtags wie #diday #didit oder auch #dutgemacht
Wer ist GAMAM (oder GAMMA oder sogar MAGAM)?
Das Akronym wird aus den Anfangsbuchstaben der 5 großen, amerikanischen Tech-Unternehmen abgeleitet: Google, Amazon, Meta, Apple und Microsoft. Diese 5 Unternehmen beherrschen als Oligopol den Weltmarkt an cloudbasierten Anwendungen. Sei es Standardanwendungen, Suche, Plattform, Hardware oder Social Media: Sie sind in mindestens einem dieser Felder aktiv. Oft sogar in mehreren und in den letzten 5 Jahren verstärkt im Bereich „Künstliche Intelligenz“ (korrekterweise sollte man von LLM [Large Language Model] sprechen, aber der Begriff “KI” hat sich rasant eingebürgert). Aus der KI-Ecke kommt dann noch eine andere Allianz dazu: MANGO (Microsoft, Anthropic, NVIDIA, Google und OpenAI) sind die Technologie- oder Marktantreiber in diesem Bereich. Hier ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, auch wenn wir noch in einem frühen Stadium sind. GAMAM bearbeitet den “Markt” seit 20-30 Jahren, OpenAI und Anthropic sind deutlich jünger, können aber vom Geld ihrer Investoren – wer hätte es gedacht: Microsoft, Google, Amazon stecken ihr Geld in Anthropic und/oder OpenAI – profitieren.
Nicht erst seit der 2. Regierung Trump wird immer wieder davor gewarnt, dass viele Kernaufgaben in den europäischen Ländern nur unter Nutzung von Software aus den USA bewältigt werden. Der Hashtag #unplugTrump ist deshalb seit März 2025 immer wieder in den sozialen Medien zu finden. In Einzelfällen war in jüngster Vergangenheit schon zu sehen, was passiert, wenn US‑Unternehmen entsprechend Order ausführen: Stillstand, und zwar vollständiger. Um diese drohende Handlungsunfähigkeit zu vermeiden, ist es dringend geboten, europäische Alternativen zu suchen. Digitale Souveränität ist der Fachbegriff dafür und er soll deutlich machen, wie wichtig eine Unabhängigkeit von BigTech ist.
Erste Versuche gab es in der Vergangenheit einige. In der Regel wurden sie durch starke Lobbygruppen und persönliche Interessen torpediert und zum Scheitern gebracht. Seit ein paar Jahren gibt es aber im Open-Source-Bereich eine zunehmende “Professionalisierung”, sodass immer mehr freie Produkte entstanden sind, die durchaus dem Vergleich mit GAMAM standhalten.
Wie geht digitale Souveränität?
In einer kleinen Reihe von Beiträgen wollen wir uns anschauen, welche GAMAM-Produkte im Bildungsbereich zum Einsatz kommen und welche Alternativen es gibt.
Wir starten mit dem Betriebssystem: Auf einem Großteil der Rechner in Schulen und bei Lehrkräften läuft bzw. lief Microsoft Windows 10. Das Unternehmen macht seit Jahrzehnten geschickte Lobbyarbeit für sein Produkt und hat es mit seiner Beharrlichkeit geschafft, dass viele Mitarbeiter_innen in Ämtern und Behörden glauben, dass es ohne nicht geht.
Weiter geht es danach mit den Standardanwendungen. Dazu gehören neben einer Office-Suite auch Grafik- und Musikprogramme sowie weitere Anwendungen für den Einsatz in der Schule.
In einem dritten Beitrag betrachten wir Suchmaschinen und Cloud-Lösungen, denn auch in diesem Bereich gibt es durchaus nennenswerte Alternativen.
Zum Schluss wird es dann um Large Language Models gehen. Sie sind die “jüngsten” Anwendungen im Bildungsbereich, und auch hier, oder vor allem deswegen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Auch wenn die Investitionen in die US-Unternehmen durchaus beachtlich sind, scheint es eine nicht ganz uninteressante Entwicklung im Bereich europäischer Open-Source-Lösungen zu geben.
Starten wir also mit dem Betriebssystem
Teil 1: Ob es auch ohne Windows geht, fragst du?