Alte Windows-Festplatte unter Linux sicher zur Wiederverwendung prüfen

Wer von Windows auf Linux umgestiegen ist, kennt das Problem: Im Rechner steckt noch eine alte SSD oder Festplatte mit NTFS-Partitionen und vielleicht sogar einer kleinen Partition namens System-reserviert.

Bevor man sie löscht und als Linux-Datenträger weiterverwendet, sollte man eindeutig klären:

Bootet das aktuelle Linux wirklich von einem anderen Datenträger?

Genau diese Prüfung war in meinem Fall notwendig, bevor eine alte Windows-SSD vollständig neu verwendet werden konnte.

Das Problem

Auf dem Rechner waren mehrere Laufwerke vorhanden:

Die frühere Windows-SSD enthielt unter anderem:

System-reserviert
Datensicherung

Die Bezeichnung System-reserviert ist ein guter Grund, nicht einfach alles zu löschen.

Zuerst musste geklärt werden, ob diese Partition noch irgendeine Rolle für den aktuellen Bootvorgang spielte.


1. Alle Datenträger anzeigen

Eine übersichtliche Darstellung liefert:

lsblk -e7 -o NAME,PATH,SIZE,MODEL,FSTYPE,LABEL,PARTLABEL,UUID,MOUNTPOINTS

Interessant sind vor allem:

NAME
MODEL
FSTYPE
LABEL
UUID
MOUNTPOINTS

So lässt sich zunächst unterscheiden:

Zusätzlich kann man die Partitionstabellen ansehen:

sudo fdisk -l

Bei mehreren ähnlich großen SSDs ist die Modellbezeichnung besonders hilfreich.


2. Prüfen, wo das Root-Dateisystem liegt

Entscheidend ist zunächst die Linux-Systempartition:

findmnt -no SOURCE,FSTYPE,TARGET /

Eine typische Ausgabe könnte beispielsweise so aussehen:

/dev/nvme0n1p5 ext4 /

Damit ist klar:

Das laufende Linux befindet sich auf dieser Partition.

Das sagt allerdings noch nicht zwingend, wo die für den UEFI-Boot benötigte EFI-Systempartition liegt.


3. EFI-Partition prüfen

Bei einem UEFI-System:

findmnt /boot/efi

Damit lässt sich feststellen, welches Gerät aktuell unter

/boot/efi

eingehängt ist.

Im konkreten Fall lag auch die EFI-Partition auf derselben NVMe-SSD wie das aktuelle Linux-System.

Damit sprach bereits sehr viel dafür, dass die alte Windows-SSD nicht mehr zum Booten benötigt wurde.


4. UEFI-Boot-Einträge kontrollieren

Zur zusätzlichen Absicherung:

sudo efibootmgr -v

efibootmgr zeigt die im UEFI gespeicherten Boot-Einträge.

Interessant sind insbesondere:

BootCurrent
BootOrder

und die Gerätepfade der einzelnen Boot-Einträge.

Im untersuchten System zeigte der aktive Linux-Boot-Eintrag auf die EFI-Partition der NVMe-SSD.

Die alte Windows-SSD tauchte dort nicht als benötigter aktueller Boot-Datenträger auf.


5. /etc/fstab kontrollieren

Eine weitere wichtige Kontrolle:

grep -Ev '^\s*#|^\s*$' /etc/fstab

Damit werden Kommentare und Leerzeilen ausgeblendet.

In meinem Fall enthielt /etc/fstab Einträge für:

Die alte Windows-SSD war dort nicht eingebunden.

Auch das bestätigte:

Das laufende System war nicht auf sie angewiesen.


6. Erst danach löschen

Die Kombination aus

lsblk
findmnt
efibootmgr
/etc/fstab

lieferte schließlich ein konsistentes Bild:

Linux-System
      ↓
NVMe-SSD

EFI-Systempartition
      ↓
dieselbe NVMe-SSD

aktiver UEFI-Boot-Eintrag
      ↓
EFI-Partition der NVMe-SSD

alte Windows-SSD
      ↓
weder Root noch EFI noch fstab-Abhängigkeit

Erst danach wurde die alte Windows-Partitionierung entfernt und die SSD als Linux-Datenträger neu eingerichtet.


Warum die Prüfung wichtig ist

Eine kleine Partition mit Namen wie

System-reserviert
EFI System
Boot
Recovery

sollte man nicht allein aufgrund ihres Alters löschen.

Gerade Rechner, auf denen Windows und Linux nacheinander oder parallel installiert waren, können Boot-Dateien auf einem anderen Laufwerk enthalten als das eigentliche Betriebssystem.

Das Betriebssystem kann also beispielsweise auf

/dev/nvme0n1

liegen, während der Rechner theoretisch trotzdem eine EFI-Partition auf

/dev/sda

verwenden könnte.

Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur das Root-Dateisystem zu prüfen.


Minimaler Prüfablauf

Vor dem Löschen eines alten Systemdatenträgers würde ich mindestens diese vier Prüfungen durchführen:

lsblk -e7 -o NAME,PATH,SIZE,MODEL,FSTYPE,LABEL,UUID,MOUNTPOINTS
findmnt -no SOURCE,FSTYPE,TARGET /
findmnt /boot/efi
sudo efibootmgr -v

Zusätzlich:

grep -Ev '^\s*#|^\s*$' /etc/fstab

Wenn alle Ergebnisse eindeutig auf einen anderen Datenträger zeigen, ist die Grundlage vorhanden, die alte Platte anschließend neu zu verwenden.


Fazit

Der gefährliche Teil beim Wiederverwenden einer alten Windows-SSD ist nicht das Formatieren selbst.

Der gefährliche Teil ist die Frage:

Bin ich wirklich sicher, dass mein Rechner sie nicht mehr zum Booten benötigt?

Mit

lsblk
findmnt
efibootmgr
fstab

lässt sich diese Frage unter Linux relativ zuverlässig beantworten.

Erst wenn Root-Dateisystem, EFI-Partition, UEFI-Boot-Eintrag und dauerhafte Mounts eindeutig geklärt sind, sollte eine alte Windows-Systempartition entfernt werden.